Geschichte

Die Geschichte des VfR Stockach

Seit über 110 Jahren ist der VfR Stockach ein fester Bestandteil der Stockacher Vereinslandschaft. Was als kleine Gruppe fußballbegeisterter junger Menschen begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem lebendigen Sportverein für alle Generationen.

Von den ersten Spielen auf staubigen Wiesen über Meisterschaften, Krisen und Wiederaufbauten bis hin zur modernen Vereinsarbeit erzählt die Geschichte des VfR von Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Gemeinschaftsgeist. Jeder Abschnitt unserer Vereinsgeschichte zeigt, wie Mitglieder, Trainer und Ehrenamtliche gemeinsam Herausforderungen gemeistert und den Verein immer wieder aufs Neue belebt haben.

Heute steht der VfR Stockach nicht nur für Fußball, sondern auch für vielseitige sportliche Angebote, eine starke Jugendförderung und ein lebendiges Vereinsleben, das die Menschen in Stockach verbindet. Entdecke hier die wichtigsten Etappen unserer Entwicklung und erfahre, wie aus einer kleinen Gruppe Enthusiasten ein moderner Sportverein mit Tradition geworden ist.

Am 21. März 1909 wurde der Fussball-Club Stockach von einer kleinen Gruppe fußballbegeisterter junger Leute gegründet. Dazu gehörten Josef Wagner, Alois Lang, Josef List, Heinrich Messmer und Karl Sauter. Damals war Fußball noch kein Volkssport, und es mussten viele Hindernisse überwunden werden, ehe der Sport und der Verein in Stockach richtig Fuß fassen konnten. Auffällig ist, dass im ersten Jahr gleich drei Vorstände amtierten: Johann Wegmann, August Rigal und Emil Neumeister.

Der Spielbetrieb bestand meist aus Trainingsspielen in der alten Kiesgrube an der Ludwigshafener Straße. Die fünf Wettspiele des ersten Jahres wurden auf verschiedenen, gerade zur Verfügung stehenden Wiesen ausgetragen, und sämtliche Spiele gingen verloren – das Torverhältnis betrug 1:31. Trotz der schwierigen Anfänge blieb die Begeisterung für den Fußball ungebrochen. Schon 1910 konnte der Verein ein Turnier veranstalten, an dem 19 Vereine teilnahmen, darunter namhafte österreichische und schweizerische Clubs. Dieses Turnier fand auf der inzwischen von der Stadt gepachteten Osterholzwiese statt.

Neuen Auftrieb erhielt der Verein, als der Internationale Dr. Glaser, der frühere 1. Vorsitzende des Südbadischen Fußballverbandes, als Lehrer an die Bürgerschule nach Stockach versetzt wurde. Er wirkte sowohl als Spieler als auch als Trainer beim Verein mit. Während seiner Zeit in Stockach wurde er 1912 auch in die Olympia-Mannschaft für Stockholm berufen und spielte zudem als Mittelläufer, der heutige Libero, im Länderspiel Deutschland gegen die Schweiz.

Die erste Mannschaft des Jahres 1912 bestand aus Th. Vogler, Schneider, Dr. Glaser, Schupp, K. Spriessler, E. Fuchs, Herbold, H. Hügle, K. Stump, Stingel und W. Hügle. Sportlich ging es aufwärts, doch der Verein hatte mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dies war einer der Gründe, warum 1913 ein Anschluss an die Turngemeinde 1862 erfolgte.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam der Spielbetrieb vollständig zum Erliegen, da sämtliche Spieler zum Heeresdienst einberufen wurden. Nach der Beendigung dieses trostlosen Konflikts war es Willy Hügle, der den Fußball und den Verein zu neuem Leben erweckte.

In den Jahren 1928 bis 1929 bestand die Mannschaft aus H. Fischer, H. Kempter, H. Greiner, E. Blank, H. Maier, H. Seelenbrand, J. Grathwohl, J. Bold, H. Ramsperger, A. Keller und E. Ströbe unter der Leitung des Vorstands H. Hepp. Sportlich entwickelte sich der Verein langsam weiter, und die Begeisterung der Mitglieder blieb ungebrochen.

1934 feierte der FC Stockach sein 25-jähriges Jubiläum. Fritz Klippel brachte die Mannheimer Fußballschule in den Verein, und die Mannschaft eilte von Meisterschaft zu Meisterschaft. Trotz sportlicher Erfolge brachte der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges alle bisherigen Bemühungen zum Stillstand.

Die Jahre des Krieges bedeuteten eine große Pause für den Verein. Die Vereinsaktivitäten ruhten, und viele Spieler waren erneut im Kriegseinsatz. Erst nach dem Ende des Krieges konnte der Verein sich wieder sammeln und neue Schritte in Richtung Aufschwung gehen.

Am 1. Mai 1946 wurde der durch die Besatzungsmacht aufgelöste Verein unter dem Namen VfR (Verein für Rasensport) Stockach wieder gegründet. Das 40-jährige Jubiläum 1949 stand bereits im Zeichen einer großen Sportlergemeinschaft.

Die ersten nach dem Krieg zurückkehrenden Spieler mussten sich zunächst nach einem neuen Sportplatz umsehen. Dieser wurde im Dillsportplatz gefunden, und der Spielbetrieb auf grünem Rasen konnte wieder aufgenommen werden. Es galt viele Schwierigkeiten zu überwinden, vor allem im Bereich Transport: während man nach dem Ersten Weltkrieg noch mit einem Pferdefuhrwerk nach Konstanz fuhr, nutzten die Spieler in den 1930er-Jahren den sogenannten „Glaspalast“ und später Holzvergaser. Für die zweite Mannschaft war sogar eine handbetriebene Draisine auf den Bahngleisen notwendig.

Der Verein entfaltete ein reges gesellschaftliches Leben und integrierte zeitweise Abteilungen wie Handball, Leichtathletik, Turnen, Boxen, Tischtennis und die Skizunft. Es wurden Tanzabende, Gartenfeste und Theateraufführungen organisiert. 1947 begann die Wiederinstandsetzung des Osterholzsportplatzes, zunächst in Eigenarbeit der Mitglieder und später mit Unterstützung bezahlter Arbeitskräfte. Dank der Initiative des Vorsitzenden Adolf Niedermeier und später Walter Hepp konnte die neue Sportanlage einschließlich des Vereinsheims fertiggestellt und eingeweiht werden.

In den folgenden Jahrzehnten feierte der Verein unter verschiedenen Vorständen mehrere Jubiläen: 1969 das 60-jährige und 1979 das 70-jährige Bestehen. Ab 1981 übernahm Klaus Schwager offiziell die Vereinsführung.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der VfR Stockach vom reinen Traditionsverein zu einem lebendigen und vielseitigen Sportverein im regionalen Fußball entwickelt. In den 2000er‑Jahren gelang dem Team mehrfach der Auf‑ und Abstieg zwischen Bezirksliga und Landesliga, was die Schwankungen im Amateurfußball zeigt, aber auch die Entschlossenheit der Mannschaft, immer wieder neu anzutreten.

In jüngerer Zeit spielt der VfR Stockach wieder dauerhaft im Landesliga‑Bereich und konnte dort in der Saison 2024/25 einen soliden Platz fünf erreichen, was unterstreicht, dass sich der Verein sportlich stabilisieren konnte. Die erste Mannschaft ist weiterhin das sportliche Aushängeschild des Vereins, während die zweite und neu gegründete dritte Mannschaft in den Kreisligen A und C aktiv sind und dort wichtige Spielpraxis sammeln.

Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklung liegt im Nachwuchsbereich: Mit rund 400 Mitgliedern und fast 300 Kindern und Jugendlichen verfügt der VfR über eine ausgedehnte Jugendabteilung und eine Spielgemeinschaft mit benachbarten Vereinen, um auch in den älteren Altersklassen gut besetzte Mannschaften zu garantieren. Gemeinsam mit dem Südbadischen Fußballverband und der Fußballakademie Bodensee wird ein strukturiertes Jugendkonzept verfolgt, das junge Talente gezielt fördern soll.

Neben dem sportlichen Geschehen ist der VfR Stockach auch gesellschaftlich aktiv geblieben. Unter dem Vereinsdach gibt es Abteilungen wie die Herzsportgruppe mit hoher Beteiligung, regelmäßige Veranstaltungen und zahlreiche Ehrenamtliche, die den Verein lebendig halten. In den letzten Jahren hat die Vereinsführung zudem in Infrastruktur investiert, etwa durch eine Flutlichtanlage, eine verbesserte Sportplatzqualität und die Sanierung von Tribünen – was zeigt, dass nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Umfeld kontinuierlich gearbeitet wird.